Buchlesung mit Sven Bösemann

Humorvolle und nachdenkliche Geschichten aus seinem Berufsleben als Pfleger brachte der geborene Schwaaner

Sven Bösemann seinen 23 Gästen am letzten Freitag mit in die Begegnungsstätte Bürger für Schwaan.

Bevor er 1985 seinen ersten Pflegeeinsatz bekam kicherten schon die Schwestern. Danach wusste er warum. Ein

ehemaliger Seefahrer aus Hamburg, den die Liebe 1960 nach Ostberlin verschlagen hat, bedurfte der

Körperpflege. Voller anzüglicher Tätowierungen am gesamten Oberkörper, Bauch, Rücken, den Armen, teilweise

auch des Unterbauches und der Lenden waren zu besichtigen – vom Nacktbild bis zu pornografischen

Darstellungen. Stolz erzählte der 90jährige ihm seine Lebensgeschichte.

Während der Wendezeit arbeitete Pfleger Sven auf einer postoperativen Station. Am Tag nach dem Mauerfall fehlten ihm von seinen 30 Patienten ca. 20 auf der Station. Die schwer Kranken konnten wieder am Kuhdamm laufen.

Auch die Unterschiede in der Bezahlung in Ost- und Westberlin kurz nach der Wende wurden innerhalb seiner

Familie sichtbar. Während er in einem städtischen Krankenhaus im Westteil der Stadt 2400 DM verdiente, bekam

seine Frau für die gleiche Tätigkeit ein paar Straßen weiter 900 DM.

1992 verließ Pfleger Sven, wie er von seinen Pflegebedürftigen genannt wurde, Berlin in Richtung Demminer

Provinz. Dort wollte ihn eine Frau allerdings unbedingt mit seinem Namen ansprechen. „Bösemann“?, klingt ja

irgendwie nicht so gut wie Pfleger Sven, aber sie bestand darauf und so verriet er ihr seinen Namen. Es gibt viel

schlimmere Namen, wusste sie zu berichten. Herr Bösemann hörte er sich diese unglaubliche Geschichte an und

erfuhr so vom Namen „Gesäßgezwitscher“, der ihm von unabhängiger Quelle aus der Region bestätigt wurde.

Wie es zum Titel des Buches „So lange die Rose blüht“ kam, erfahren Sie auf Seite 92 im lesensenwerten Buch.

Erhältlich: ISBN: 978-3-7322-6295-3

 

Torsten Schlutow